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 18.04.2007 00:00 Uhr Stadionneubau und dann? Mit freundlicher Genehmigung der Babelsberger Stadionzeitung NULLDREI veröffentlicht www.pro-karli.de exclusiv nachfolgenden Beitrag zur Stadiondiskussion:
Als vor einigen Tagen bekannt wurde, dass durch die Stadt die beantragte unbefristete Genehmigung für die Flutlichtanlage nicht erteilt wurde und ab sofort keine Dunkelspiele mehr stattfinden werden, war zunächst nicht klar, welche Dimensionen der Fall annehmen könnte. Als Ursache wurde nämlich „nur“ eine fehlende Unterschrift der Oberen Denkmalschutzbehörde angegeben. Deren Leiter, ein gewisser Herr Prof. Dr. Detlef Karg, hat sich bis jetzt nicht über seine Gründe für die Verweigerungshaltung geäußert.
An Bedenken der UNESCO, die Sichtachsen vom Flatowturm bedrohen - wie man weiß - das Karli, kann es jedenfalls nicht liegen. Laut Medienberichten hat bereits am 23. März ein Vertreter der Unesco-Tochter Icomos bei einer Begehung des Stadions und des angrenzenden Parks Babelsberg keine Probleme erkannt. Giulio Marano wurde mit folgenden Worten zitiert: "Die Konstruktion ist einmalig (...) Ich finde, hier ist ein guter Kompromiss gefunden worden. Die abgeknickten Masten beeinträchtigen das Welterbe nicht." An der Begehung nahmen im Übrigen auch Jann Jakobs und Herr Karg teil. Die Gründe müssen also an einer anderen Stelle gesucht werden. Diese Suche dauerte nicht lange. Plötzlich war nämlich erneut der umstrittene Stadionneubau im Gespräch. Das ist natürlich sehr verwunderlich, denn erst Anfang des Jahres, nach massiven Protesten, trat der OB an die Öffentlichkeit und erklärte den Verzicht auf einen Neubau. Die Kosten in Höhe von mindestens 40 Millionen Euro sind für Potsdam nicht zu verkraften.
Die Idee eines neuen Stadions an sich ist nicht neu. Bereits vor ein paar Jahren hatte ein übermotivierter Lokalpolitiker die Idee, ein neues Stadion für viele Millionen Euro an der Wetzlarer Straße zu bauen. Dort steht ja nun zum Glück ein Lutscher-Werk. Damals spielte Nulldrei noch in der 2. Bundesliga. Nach zwei Abstiegen war das Thema zunächst erledigt.
Im letzten Jahr gab es dann plötzlich einen neuen Vorstoß. DFB-Präsident Zwanziger machte offenbar Turbine und einigen Politikern die Münder wässrig mit der Aussicht, Spiele der Frauen-WM in Potsdam austragen zu lassen. Bis dahin war jedoch noch nicht mal klar, dass die WM überhaupt nach Deutschland kommt und welche Anforderungen an die Stadien gestellt werden würden.
Trotzdem wurde eine Machbarkeitsstudie für drei Standorte in Auftrag gegeben. Interessanterweise war der Auftraggeber dieser Studie nicht die Stadt, sondern der Landessportbund. So verhinderte man offensichtlich eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit. Das Ergebnis sah in etwa so aus: Sieger war ein Neubau in der Waldstadt für 20.000 Zuschauer (Kosten: 34,7 Mio Euro plus 7 Millionen für das Grundstück), Platz 2 ging an das sanierte Karli mit 15.000 Zuschauern (Kosten 25,4 Mio Euro inkl. Tiefgarage für 5 Mio Euro). Der dritte Standort, offensichtlich nur als Alibi gedacht, liegt in Krampnitz und schied schon allein wegen der unzureichenden Erreichbarkeit aus.
Bereits in der Machbarkeitsstudie wurden Teile der Finanzierung durch den Verkauf des jetzigen Stadiongeländes in Aussicht gestellt. Dadurch sollten 12 Mio. Euro eingenommen werden. Nicht berücksichtigt wurden jedoch die Abrisskosten und eine Kreditbelastung von 1 Mio. Euro. Zudem ist das Gelände nicht erschlossen und auch nicht als Bauland ausgewiesen. Diese ganze Sache steht also auf so wackligen Füßen, dass es gar nicht mehr notwendig erscheint, weitere Argumente gegen einen Neubau vorzubringen. Machen wir aber trotzdem.
1. Braucht Deutschland überhaupt noch ein WM-Stadion in Potsdam?
Nein. Im Jahr 2006, also vor nicht allzu langer Zeit, fand in unserem Land eine Fußball-WM statt. Dafür wurden mit erheblichem Aufwand einige Stadien umgebaut, erweitert und neu gebaut. Man kann also davon ausgehen, dass sich eine ausreichende Anzahl von Sportstätten findet, die den Anforderungen für eine Frauen-WM gerecht werden. Selbst im Osten der Republik gibt es mit den Arenen in Rostock, Magdeburg, Berlin, Leipzig und demnächst wohl auch Dresden modernste Spielorte. Da mag die Notwendigkeit eines zusätzlichen Stadions in Potsdam nicht so recht einleuchten. Schaut man allein auf die geforderten Kapazitäten scheinen sogar die Stadien in Erfurt und Aue geeignet. Vielleicht sollte man in diesen Städten mal nachfragen, was sie von einem, womöglich mit öffentlichen Geldern geförderten, Neubauprojekt halten.
2. Braucht Potsdam über die WM hinaus ein neues Stadion?
Nein. Im Moment bietet das Karli eine Kapazität von knapp 10.000 Zuschauern. Nach den Plänen der Machbarkeitsstudie böte ein saniertes Karli Platz für 10.500 Sitzplätze. Im Moment besuchen die Spiele des SV Babelsberg 03 durchschnittlich etwa 1.600 Zuschauer. In der Regionalliga werden es wohl kaum mehr als 3.000 pro Spiel sein. In der 2. Bundesliga lag der Schnitt bei etwa 4.500 Besuchern. Die Bundesligaspiele der Turbinen sehen durchschnittlich 1.000 Besucher, bei Europacupspielen sind es auch nicht exorbitant mehr. Für die von Nulldrei anvisierte neue Dritte Liga verlangt der DFB Stadien mit mindestens 10.000 Plätzen, davon 2.000 Sitzplätze. Da reicht offenbar die jetzige Kapazität nahezu aus. Lediglich eine Modernisierung der Substanz wäre vonnöten. Die Kosten dafür beliefen sich nach Schätzungen des Vereins auf 8-10 Mio. Euro. Allerdings wäre dann kein WM-Fußball in Potsdam möglich.
3. Wie sieht es bei vergleichbaren Vereinen aus?
Zahlen sprechen ja oft eine deutliche Sprache. Wir haben uns mal bei aktuellen Drittligisten umgesehen und siehe da, die Zuschauerzahlen sind bis auf einige Ausnahmen eher bescheiden: FC St. Pauli (Kapazität: 19.400/Zuschauerschnitt 2006/07: 17.100), Dynamo Dresden (26.400/14.100), VfB Lübeck (17.900/5.800), VfL Osnabrück (18.400/9.000), Wuppertaler SV (28.300/4.600), RW Erfurt (19.400/5.200), CZ Jena (12.000/8.300), Kickers Emden (12.000/2.700). Selbst Zweitligist Erzgebirge Aue kam letzte Saison nur auf einen Schnitt von 11.800 Zuschauern pro Spiel. Der Zuschauerschnitt aller Regionalligavereine der letzten Saison (ohne Amateurmannschaften) betrug 7.100. Da wird schnell klar, wie unnütz eine Arena mit 20.000 Plätzen wäre.
Dass die ganze Debatte trotz allem noch nicht beendet ist, zeigt einmal mehr, wie wenig gesunden Menschenverstand so mancher Entscheidungsträger in dieser Stadt in die Wagschale zu werfen vermag. Aus unserer Sicht ist klar, dass es WM-Fußball in Potsdam nur im Karli geben kann. Sollte das nicht möglich sein, ist das eben so. Denn ein Stadion nur für die WM ist in etwa so sinnvoll wie der Bau einer 30-Zimmer-Villa für Herrn Zwanziger durch die Stadt für seinen WM-Aufenthalt, die dann anschließend von Bernd Schröder bewohnt wird. .....
 26.03.2007 18:00 Uhr DFB: Anforderungen an Frauen-WM-Stadien 2011 Der Deutsche Fußball-Bund hat auf seiner Internetseite den aktuellen Verfahrensstand zur deutschen Bewerbung um die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft 2011 veröffentlicht.
Demnach liegen den 30 Bewerberstädten – darunter auch Potsdam - nunmehr die Bewerbungsunterlagen und damit auch die Anforderungen an geeignete Stadien vor. DFB-Präsident Zwanziger wird wie folgt zitiert: "Beim genauen Studium der Unterlagen wird deutlich, dass die Messlatte sehr hoch liegt und ein hohes Engagement notwendig ist, um die Anforderungen zu erfüllen – zudem noch mit enormem Zeitdruck.“…"Dazu stellen wir grundsätzlich fest, dass sich die Qualität der Anforderungen für die Frauen-WM 2011 nicht wesentlich von denen der WM 2006 unterscheidet." Termin für den Eingang der Unterlagen der Bewerberstädte ist der 30. April 2007. Bis zum 11. Mai 2007 will der DFB entscheiden, welche Städte d Stadien in das offizielle Kandidatur-Dossier aufgenommen werden. Abgabe der DFB-Bewerbung bei der FIFA ist spätestens am 1. August 2007.
Der DFB geht von bis zu 10 Stadien für die Bewerbung aus. Statt der von der FIFA verlangten Mindestkapazität von 10.000 Sitzplätzen je Stadion wird der DFB nur Stadien mit einer Mindest-Kapazität von 15.000 Sitzplätzen (Vorrunde) und 20.000 Sitzplätzen (Hauptrunde) nominieren. Nicht-Standorte der FIFA-WM 2006 werden bei der Vergabe bevorzugt. Die Spielorte sollen regional ausgewogen verteilt sein und nach Möglichkeit einen Bezug zum Frauenfußball haben. Für temporäre bauliche Maßnahmen an Stadien verpflichtet sich der DFB zu einer Kostenbeteiligung von maximal 10% der jeweiligen Ticketerlöse.
Die Entscheidung über den Ausrichter der WM 2011 trifft das FIFA-Exekutivkomitee am 31. August 2007. Neben Deutschland haben sich Australien, Frankreich, Kanada, die Schweiz und Peru beworben.
Die Potsdamer Neuesten Nachrichten zitieren in ihrer Ausgabe vom 27. März 2007 die Beigeordnete Gabi Fischer: „Wir werden die Vorgaben prüfen und mit unserer Machbarkeitsstudie vergleichen.“ Dies dürfte allerdings kaum notwendig sein, stellte Bürgermeister Jann Jakobs doch im Januar 2007 fest, dass sich die Stadt Potsdam nur als Austragungsort für die Frauen-Fußball-WM bewerben würde, wenn die FIFA bzw. der DFB Stadien mit einer Kapazität von bis zu 10.000 Zuschauern zulassen würde. Sollte diese Haltung Bestand haben, wäre Potsdam als Austragungsort damit vom Tisch.
Offen bleibt so oder so, inwieweit sich die Stadt Potsdam an der ohnehin notwendigen Instandsetzung und Modernisierung des Karl-Liebknecht-Stadions beteiligen wird. Die Initiative „Pro KarLi“ wird den weiteren Werdegang aufmerksam verfolgen.
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 17.01.2007 01:10 Uhr Einigung mit der UNESCO - aber wie? Im Rahmen der Vorstellung und Diskussion der Machbarkeitsstudie wurde der Oberbürgermeister der Stadt Potsdam aufgefordert, mit der UNESCO Kontakt hinsichtlich einer Einigung zwischen den Belangen des Denkmalschutzes im Rahmen des Weltkulturerbes und einer zukunftsfähigen Nutzungsperspektive des Karl-Liebknecht-Stadions aufzunehmen. Zum einen geht es hierbei um die umstrittene Wirkung der Flutlichtmasten und zum anderen um eine zukünftig vorstellbare Erweiterung der Zuschauerkapazität des Stadions, auch wenn dies derzeit kein akutes Thema ist.
In Bezug auf die Flutlichtanlage hat die UNESCO im Rahmen des laufenden Baugenehmigungsverfahrens für die Flutlichtanlage Stellung genommen. Darin heißt es unter anderem, dass „die ursprünglich befristete Genehmigung [unter der Maßgabe erteilt wurde], dass nach einem gewissen Zeitraum und nach Fortsetzung von Pflegemaßnahmen im Park Babelsberg die Wirkung der Flutlichtanlage auf das Denkmal neu zu bewerten [sei].“ Weiter heißt es: „Es zeigt sich nach den in letzter Zeit durchgeführten Pflegemaßnahmen in verschiedenen Bereichen des Parks, dass die Flutlichtmasten auch im abgeknickten Zustand eine stark verfremdende und störende Wirkung haben und eine erhebliche Beeinträchtigung der visuellen Integrität des Gartendenkmals darstellen“. Der Bürgermeister wird gebeten, sich dafür einzusetzen, „dass der beantragten Entfristung nicht zugestimmt wird.“
Soweit die Stellungnahme der deutschen UNESCO-Vertretung. Es ist unbestritten, dass sich die UNESCO für das Weltkulturerbe der Potsdamer Parklandschaft einsetzen soll und muss. Dies betrifft sicherlich auch die historischen Sichtachsen, von denen es in unserer schönen Stadt zahlreiche gibt. Auf dieses Argument bezieht sich die UNESCO jedoch nicht, sondern auf die stark verfremdende Wirkung der abgeknickten Flutlichtmasten und die Beeinträchtigung der visuellen Integrität des Gartendenkmals.
Das obere Bild zeigt die Beeinträchtigung des Gartendenkmals im Sommer 2006 aus größerer Entfernung (unterhalb des Flatowturms. Der Flutlichtmast an der Nordkurve, die Dixis auf dem HArtplatz und die Hochhäuser am Stern sind rot eingekreist.

Das untere Bild zeigt die gleiche Perspektive mit Zoom. Es zeigt sehr schön, dass der Flutlichtmast an der Nordkurve genau unterhalb der Horizontlinie endet und sich mit seiner graugrünen Farbe fast unsichtbar macht. Störender wirken da fast die Dixi-Klos. Wenn dann der Hartplatz noch einen schönen, dunkelgrünen Kunstrasenbelag bekommt.....

Das letzte Bild ist weiter unten im Park aufgenommen. Der Standort liegt im äußeren Bereich der Sichtachse. Trotzdem sieht mensch von der Rückwand der Gegengerade gar nichts. Nichtbabelsberger werden nicht mal einen Sportplatz, geschweige denn ein Stadion vermuten.
Möge sich jeder Park- und Fußballfreund selbst eine Meinung zur Beeinträchtigung "der visuellen Integrität des Gartendenkmals" bilden.

In der Bewertung des Bauantrages durch die städtische Bauordnungsbehörde kann die vermeintliche Beeinträchtigung "der visuellen Integrität" jedoch nur ein Aspekt sein. Genauso wichtig ist es, die Belange der hier lebenden Babelsberger, der Beschäftigten des SV Babelsberg 03 und nicht zuletzt die wirtschaftlichen Folgen für die Stadt Potsdam zu berücksichtigen. Nach www.pro-karli.de vorliegenden Informationen hat die Stadt Potsdam für die Errichtung der Flutlichtanlage 848.519,00 Euro aus Hauptstadtmitteln des Landes Brandenburg eingesetzt. Üblicherweise werden solche Fördermittel an Zweckbindungsfristen gekoppelt. Eventuelle Rückforderungen der Fördermittel für die Flutlichtanlage wegen nicht eingehaltener Zweckbindung (wenn nämlich kein Licht mehr gemacht werden darf wegen fehlender Baugenehmigung) würden demzufolge direkt an die Landeshauptstadt Potsdam gehen.
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 15.01.2007 13:43 Uhr Die Hintergründe der Stadion-Neubau-Diskussion „Die einen sprechen liebevoll vom „Karli“, die anderen bezeichnen es als „Schmuckkästchen“. Egal, was einem lieber ist: Das Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion löst Emotionen aus – und zwar angenehme. Die reine Fußballarena zählt zweifelsohne zu den schönsten ihrer Art und ist auch atmosphärisch einen Besuch wert.“ „Für Liebhaber reiner Fußballarenen ist das Karl-Liebknecht-Stadion Pflichtbesuch.“
"1000 Tipps für Auswärtsspiele" (1999)
Schon öfter wurde in der Vergangenheit über die Zukunft der traditionsreichsten Potsdamer Sportstätte, das Karl-Liebknecht-Stadion in Babelsberg, diskutiert. Mal waren es vereinzelte Anwohner, die sich in ihrer Wochenendruhe gestört fühlten; mal waren es Politiker, die sich als Trittbrettfahrer des sportlichen Erfolgs des SV Babelsberg 03 mit Stadionneubauplänen beliebt machen wollten. Bisher scheiterten alle Versuche, die Heimstatt des SV Babelsberg 03 zu schleifen. Doch dies hindert bestimmte Kreise offensichtlich nicht, das Karli erneut in Frage zu stellen. Seit dem Sommer 2006 wird an einer Machbarkeitsstudie gearbeitet, welche zum Zweck hat, einen Standort für ein Fußballstadion zur Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft 2011 in Potsdam zu suchen.
Daran ist zunächst nichts Verwerfliches. Allerdings weisen Art und Weise der Verfahrens und Äußerungen der handelnden Personen wie z.B. Oberbürgermeister Jann Jakobs darauf hin, dass das Karl-Liebknecht-Stadion bereits als Opfergabe für einen Stadionneubau in der Waldstadt feststeht. Damit würde die über einhundertjährige Tradition des Fußballs am Babelsberger Park zugunsten eines überdimensionierten und gesichtslosen Allerwelts-Stadions aufgegeben. Folgebelastungen aus dem Betrieb eines Stadionneubaus sind bisher unkalkulierbar und werden zu Belastungen der betroffenen Vereine, ihrer Mitglieder und Zuschauer gehen. Damit werden sich die Babelsberger Fußball-Fans nicht abfinden!
Der Vorlauf
Im Sommer 2006 brachte die SPD-Fraktion einen Antrag in die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung ein, nachdem die Stadt Potsdam beim Deutschen Fußball-Bund ihr Interesse an der Austragung von Spielen im Rahmen der Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft 2011 bekunden sollte. Hierfür sollte die Verwaltung prüfen, welche Voraussetzungen die Stadt Potsdam für die Austragung von Spielen im Rahmen der Frauen-Fußball-WM erbringen müsste. Insbesondere sollte untersucht werden, welche Anforderungen an ein WM-taugliches Stadion gestellt werden und ob sich diese in Potsdam erfüllen lassen.
Die Fraktion Die Andere brachte daraufhin einen Ergänzungsantrag in die Stadtverordnetenversammlung ein, nach der sich eine Machbarkeitsstudie ausschließlich auf bestehende Stadion-Standorte – Karl-Liebknecht-Stadion und Stadion am Luftschiffhafen konzentrieren sollte. Hintergrund des Ergänzungsantrages war unter anderem, dass sich das Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion in einem sanierungsbedürftigen Zustand befindet und dass zusätzliche Investitionsmittel in bestehende Sportanlagen fließen sollten.
Die SPD-Fraktion zog daraufhin ihren Antrag zurück – mutmaßlich aus der Sorge heraus, dass der Antrag der Fraktion Die Andere in der Stadtverordnetenversammlung eine Mehrheit erhalten hätte und damit Neubaupläne von vornherein eine Absage erteilt worden wäre.
Die Machbarkeitsstudie
Um dennoch zu einer Prüfung von Stadion-Neubauplänen zu kommen, wurde der Landessportbund Brandenburg eingeschaltet. Der LSB beauftragte einen Gutachter, im Rahmen einer Machbarkeitsstudie drei durch die Stadt benannte Standorte auf ihre Tauglichkeit für ein WM Stadion zu untersuchen. Die Kosten für die Machbarkeitsstudie werden überwiegend durch Fördermittel bezahlt.
Im Rahmen der Machbarkeitsstudie werden folgende Standorte untersucht:
• Stadionneubau auf dem Gelände der Kaserne Krampnitz
• Stadionneubau auf dem Gelände des ehemaligen Plattenwerkes an der Heinrich-Mann-Allee
• Sanierung und Ausbau des Karl-Liebknecht-Stadions
Warum nur drei Standorte untersucht werden und dabei zum Beispiel das durchaus gut geeignete Gelände des Stadions am Luftschiffhafen von vornherein ausgeschlossen wurde, bleibt Geheimnis der Stadt Potsdam bzw. des LSB. Auch weitere, für einen Stadionneubau geeignete Standorte, wie zum Beispiel die Flächen des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerkes am Hauptbahnhof oder des ehemaligen Straßenbahndepots in der Heinrich-Mann-Allee, werden nicht untersucht, obwohl sie ebenso oder besser geeignet erscheinen als der Neubaustandort Heinrich-Mann-Allee am Bahnhof Rehbrücke.
Bei der Benennung des potentiellen Neubaustandortes Heinrich-Mann-Allee wird regelmäßig die irreführende Bezeichnung Wetzlarer Straße verwendet, um zu suggerieren, dass es sich um einen Standort in Babelsberg handelt – ein Schelm, wer böses dabei denkt.
Die Anforderungen an das Stadion
Gegenwärtig sind die Anforderungen an ein Frauen-WM-taugliches Stadion völlig unklar. Zunächst wurden in der Presse Kapazitäten von bis zu 30.000 Zuschauern ins Spiel gebracht. Der Gutachter ging ursprünglich von einer Mindestkapazität von 20.000 überdachten Sitzplätzen aus. Das heutige Karl-Liebknecht-Stadion hat eine Kapazität von knapp 10.000 Zuschauern, davon etwa 1.700 Sitzplätze.
In den Diskussionen zur Machbarkeitsstudie wurde deutlich, dass selbst ein Stadion mit einer Zuschauerkapazität von 20.000 Sitzplätzen für den Fußballstandort Potsdam maßlos überdimensioniert wäre. Auch weitere Nutzungen mit einem solchen Kapazitätsbedarf sind nicht bekannt. Selbst für höhere sportlich Ansprüche des SV Babelsberg 03 und von Turbine Potsdam reicht mittelfristig nach Einschätzung der Vereinsvertreter ein Stadion mit einer Gesamtkapazität von maximal 15.000 Zuschauern (10.000 Stehplätze und 5.000 Sitzplätze), wie sie das Karl-Liebknecht-Stadion übrigens bis Ende der 1990er Jahre hatte. Dies entspricht einer Zielkapazität von 10.000 überdachten Sitzplätzen für ein Frauen-WM-taugliches Stadion.
Neben den Kapazitätsanforderungen sind für die Frauen-WM weitere Mindeststandards in punkto Verkehrsanbindung, Stellplätze, Sicherheitsstandards usw. zu berücksichtigen. Da diese Anforderungen im Detail bisher ebenfalls nicht bekannt sind, geht der Gutachter von den für Stadionneubauten heute üblichen Standards aus. Es ist klar, dass das Karli damit gegenüber einem Neubau von vornherein im Nachteil ist.
Die Kosten
Gegenwärtig völlig unklar ist, wie die Kosten für Sanierung bzw. Neubau des Stadions und für den anschließenden Betrieb finanziert werden sollen. Ausgangsgröße für die Investitionskosten ist ein Richtwert von 2.000 Euro je überdachten Sitzplatz. Dies entspricht bei einer Zielkapazität von 10.000 Zuschauern einem Investitionsvolumen von 20 Mio. Euro. Angesichts der angespannten Haushaltslage ist die Stadt Potsdam auf eine großzügige Förderung durch Land bzw. Bund und/oder EU angewiesen.
Presseberichten zufolge wird auf eine Förderung durch Land, Bund und EU von bis zu 80 % spekuliert. Der verbleibende Eigenanteil der Stadt Potsdam beliefe sich bei den unterstellten Kosten von 20 Mio. Euro auf 4 Mio. Euro. Dieser Eigenanteil soll durch die Verwertung des Geländes des Karl-Liebknecht-Stadions aufgebracht werden. Wie im Falle der Sanierung des Karl-Liebknecht-Stadions ein Eigenanteil der Stadt Potsdam dargestellt werden soll, ist bisher unbekannt. Auch dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass der in der Machbarkeitsstudie dargestellte Ausbau bzw. die Sanierung des Karlis nicht einmal ansatzweise ernst gemeint ist.
Alternativ zur öffentlichen Förderung müsste ein privater Partner gefunden werden, was angesichts der derzeitigen Auslastung des Karl-Liebknecht-Stadions nahezu unmöglich erscheint. Selbst den wünschenswerten Aufstieg der Babelsberger Fußballer in die zukünftige dritte Bundesliga vorausgesetzt, scheint ein Zuschauerschnitt jenseits der 5.000er Marke unrealistisch. Ein vergleichbarer Verein wie der 1. FC Union Berlin erreichte in der Regionalligasaison 2004/05 einen Besucherschnitt von 4.600 Zuschauern, in der Oberligasaison 2005/06 einen Besucherschnitt von 5.900 Zuschauern und hat in der laufenden Regionalligasaison derzeit einen Besucherschnitt von 6.300 Zuschauern. Eine Auslastung von circa 50 % dürfte jedoch für keinen Investor interessant sein, es sei denn die Stadt verpflichtet sich auf Jahre, anfallende Defizite zu decken.
Auch die Betriebskosten eines neuen Stadions in der vorbeschriebenen Kapazität sind bisher völlig unklar. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Betriebskosten höher liegen werden als im Karl-Liebknecht-Stadion, da ein Stadionneubau über deutlich mehr zu bewirtschaftende Flächen verfügen wird. Die Stadt Potsdam hat bereits deutlich gemacht, dass sie davon ausgeht, dass die beteiligten Vereine Babelsberg und Turbine für den laufenden Betrieb aufkommen sollen und dass in der städtischen Haushaltsplanung keine Mittel für den Betrieb eines Stadions vorgesehen sind. Dies trifft allerdings auch für den SV Babelsberg 03 zu, der im Falle eines Stadionneubaus ein neues Trainingsgelände benötigte und maximal die dort anfallenden Kosten tragen könnte. Für Turbine dürfte dies genauso zutreffen.
Die beteiligten Vereine: Turbine Potsdam
Der wichtigste Mann des Potsdamer Fußballs, Turbine Chef-Trainer Bernd Schröder, spricht im Zusammenhang mit einem Stadionneubau von einer „einmaligen Chance“, und das ist kein Zufall: Der Standort für einen Stadionneubau an der Heinrich-Mann-Allee liegt ideal neben dem städtischen Sportplatz an der Drewitzer Straße, der Heimstadt der Turbinen ideale Voraussetzungen für den Meistertrainer der Turbine-Mädels und Mentor des deutschen Frauenfußballs. Im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion geht es dem FFC Turbine Potsdam zwar auch nicht schlecht, nutzt der Verein das Stadion doch weitgehend kostenlos, aber ein neues Stadion in städtischer Hand wäre dann doch schöner, als zur „Untermiete“ bei Babelsberg 03 zu spielen.
So wundert es nicht, dass einige der in das Verfahren zur Machbarkeitsstudie eingebundenen Persönlichkeiten als gute Bekannte des Turbine Trainers gelten. Auch die Aussagen von DFB-Präsident Theo Zwanziger sowie diverser Stadtpolitiker in den örtlichen Printmedien zeigen, dass das Gutachten schon vor Abschluss in die „richtige“ Turbine-Richtung gedreht wird.
Die beteiligten Vereine: Babelsberg 03
Der Vorstand des SV Babelsberg 03 erfuhr aus der lokale Presse von den WM- und Stadionplänen der Landeshauptstadt. Immerhin durften die Nulldrei-Vertreter der Verein ist Erbbaupächter des Karl-Liebknecht-Stadions und somit Hauptbetroffener einer wie auch immer gearteten Veränderung der Potsdamer Stadionlandschaft – Wochen nach Auftragserteilung der Machbarkeitsstudie an den Diskussionen über selbige teilnehmen. Die geäußerten Bedenken hinsichtlich der ins Auge gefassten Kapazitäten eines WM-tauglichen Stadions in Bezug auf die anschließende Nachnutzung sowie auf den Aufwand und die Kosten für den Betrieb wurden bisher nur teilweise berücksichtigt.
Offen ist auch, wie die vertraglichen Bindungen aus dem Erbaupachtvertrag im Falle einer Entscheidung der Stadt Potsdam für einen Neubau an der Heinrich-Mann-Allee und der damit notwendigen Verwertung des Grundstücks des Karl-Liebknecht-Stadions aufgelöst werden.
Weiterhin ungeklärt ist, wo im Falle eines Neubaus die zahlreichen Mannschaften des SV Babelsberg 03 trainieren sollen. Schließlich ist am Neubaustandort Heinrich-Mann-Allee nur Platz für einen Trainingsplatz. Ausweichlösungen sind bisher nicht diskutiert, müssten aber in die Bewertung der Standorte mit einfließen.
Schließlich strebt der SVB bereits in dieser Saison den Aufstieg in die Regionalliga an. Vor diesem Hintergrund ist die Lösung der baulichen und nachbarschaftlichen Probleme im bzw. am Karl-Liebknecht-Stadion akut anzustreben und nicht erst im Jahre 2010.
Angesichts dieser Voraussetzungen und der zahlreichen offenen Fragen kommt nach derzeitigem Stand für den SV Babelsberg 03 nur die Sanierung des Karl-Liebknecht-Stadions in Frage.
Die Fans
Wie eingangs erwähnt, ist das Karl-Liebknecht-Stadion die traditionsreichste Sportstätte Potsdam. Die eingangs zitierte Einschätzung, das Karli löse Emotionen aus, ist angesichts dieser Tradition noch untertrieben. Alle Versuche der vergangenen Jahre, die große Babelsberger Fangemeinde, die eine nunmehr fünfjährige sportliche Durststrecke überstanden hat, von einem Umzug zu überzeugen, sind kläglich gescheitert. Der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs wurde Ende des Jahres 2006 folgendermaßen zitiert: „Bei der Standortdebatte spielen auch die Emotionen eine Rolle, sie können am Ende aber nicht das entscheidende Kriterium sein. Wenn man ein Stadion baut, muss man dafür auch neue Zuschauerkreise erschließen, und dazu ist eine entsprechende Verkehrsanbindung wichtig.“
Es bleibt jedoch fraglich, woher denn die neuen Zuschauerkreise kommen sollen. Was allerdings nicht fraglich ist, ist die Tatsache, dass ein nicht unerheblicher Teil der treuen Zuschauerschaft des SVB einen Umzug nach Waldstadt nicht mitmachen wird.
Der Stadtteil
Bereits seit etwa 80 Jahren wird am Standort des Karl-Liebknecht-Stadions organisiert Fußball gespielt. Generationen von Fußballfans pilgerten die damalige Priester- und heutige Karl-Liebknecht-Straße zum Stadion hinunter. Insgesamt dürften über 3 Millionen Zuschauer weit mehr als 1.000 Spiele im Karli gesehen haben. Mit dem Fußballsport am Babelsberger Park verbindet sich eine der Attraktionen des Stadtteils und ein gewichtiger Teil seiner Identität. Gastronomie und Einzelhandel profitieren vom Stadion in unmittelbarer Nähe.
Für Babelsberg 03 und seine Fans ist das Karli und der Stadtteil Heimat, die sich nicht in die Waldstadt verpflanzen lässt. Im Gegenteil: Mit der Erneuerung des Karl-Liebknecht-Stadions im Rahmen einer WM-Bewerbung könnten endlich bauliche Probleme bewältigt und Konflikte mit einzelnen Anwohnern minimiert werden.
Fazit
Das Verfahren zur Durchführung einer Machbarkeitsstudie an den Stadtverordneten vorbei ist intransparent. Mit der Beschränkung der Machbarkeitsstudie auf die drei untersuchten Standorte soll offensichtlich die Grundlage für einen Stadionneubau an der Heinrich-Mann-Allee gelegt werden. Dabei werden die dauerhaften Belastungen für den städtischen Haushalt (Investitionskosten, Betriebskosten) völlig ausgeblendet. Die Bedeutung des Karl-Liebknecht-Stadions für den Stadtteil Babelsberg findet weder in der Machbarkeitsstudie noch in der öffentlichen Diskussion Berücksichtigung. Die Belange des SV Babelsberg 03 in Bezug auf konkurrenzfähige Trainingsbedingungen wurden bisher ebenfalls nicht berücksichtigt.
Deshalb fordern Babelsberger Fußballfreunde:
Das Karl-Liebknecht-Stadion muss dauerhaft als Sportstätte und Heimat des SV Babelsberg 03 erhalten bleiben, unabhängig von einem Neubau an der Heinrich-Mann-Allee.
Für die Erneuerung des Karl-Liebknecht-Stadions und die Lösung nachbarschaftlicher Konflikte sind öffentliche Mittel – gerne auch im Rahmen einer Frauen-Fußball-WM bereitzustellen.
100 % pro Karli!!!!! |