Pro Karli - Aktion zum Erhalt des Karl-Liebknecht-Stadions in Babelsberg

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Geschichte


22.01.2007 14:00 Uhr Historische Zuschauerstatistik

Im Rahmen der Diskussion um einen Stadionneubau in Potsdam hat regelmäßig der Kapazitätsbedarf eine wichtige Rolle gespielt. die nachfolgende Abbildung zeigt die durchschnittlichen Zuschauerzahlen je Saison. Bis auf wenige Spiele sind alle Meisterschaftspartien erfaßt, wobei es gerade bei den frühen Spielzeiten häufig abweichende Angaben zu den Zuschauerzahlen gibt, da eine Angabe der zahlenden Zuschauer nicht üblich war.























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21.01.2007 18:38 Uhr Fußball im Karl-Liebknecht-Stadion - ein Rückblick

Im Sommer 2006 wurde das Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion in seiner heutigen Form 30 Jahre alt. Am 10. Juli 1976 wurde es mit einem Spiel zwischen Motor Babelsberg und der DDR-Olympia-Auswahl (spätere Goldmedaillen-Gewinner bei den olympischen Spielen in Montreal) eingeweiht. Doch bereits lange Zeit zuvor wurde am Babelsberger Park Fußball gespielt. Die Tafeln an den Zuschauertoren an der Karl-Liebknecht-Straße künden von dieser langen Tradition.

Der Beginn des Fußballsports am Babelsberger Park

Demnach begannen in den Jahren 1894 die „Freie Turn- und Sportvereinigung Nowawes“, 1903 „Jugendkraft Nowawes“, 1905 „Fortuna 05“ und 1906 „Concordia 06“ (später „Eintracht“) am Babelsberger Park organisiert Sport zu treiben und Fußball zu spielen.













Der Stadtplan von 1909 zeigt, dass das Gelände des Karlis zum Babelsberger Park gehörte.



























„Jugendkraft 03“ und „Fortuna 05“ waren die Vereine, die sich 1919 zu „Nowawes 03“ zusammenschlossen. Die ersten Fußballspiele wurden im Babelsberger Park ausgetragen. In den zwanziger Jahren richteten Fußballer des Arbeitersportvereins „Concordia 06“ das Sportfeld an der Priesterstraße her.












Der Stadtplan von 1939 zeigt bereits die heutige Anordnung von Haupt- und Trainingsspielfeld.





























Am städtischen "Sportplatz an der Priesterstraße" befand sich auch die Jugendherberge. Das Grundstück der Jugendherberge befand sich in etwa auf dem heutigen Parkplatz am Concordiaweg (neben der ehemaligen Hockeybaracke). Weitere bungalowartige Gebäude der Jugendherberge standen auf dem heutigen oberen Trainingsplatz. Die beiden Fußballplätze wurden unter geschickter Ausnutzung des vorhandenen Geländeniveaus angeordnet. Der Höhensprung wurde durch die Zuschauertraversen abgefangen. An der Stelle der auf dem Foto sichtbaren Stehplätze befindet sich heute die Gegengerade.























Neben dem Sportplatz an der Priesterstraße (heute Karli) wurde in Nowawes noch am Horstweg und auf der Sandscholle Fußball gespielt. Zum Meisterschaftsspiel gegen Hertha BSC kamen 1935 7.000 Zuschauer auf den Sportplatz an der Sandscholle. 3.000 Nowaweser machten sich übrigens zum Rückspiel nach Berlin auf den Weg (2:0 Auswärtssieg für Nowawes 03). Im Lokalderby zwischen Eintracht und Nulldrei kamen 1938/39 4.000 Zuschauer auf den Sportplatz an der Priesterstraße.

Der Neubeginn nach dem zweiten Weltkrieg und die DDR-Oberliga im Karli

Im zweiten Weltkrieg wurde die Sportanlage an der Priesterstraße schwer beschädigt. Das Spielfeld war von Bombentrichtern gezeichnet. Die Stehtraversen befanden sich in arg ramponiertem Zustand. Zäune und andere Begrenzungen waren nicht mehr vorhanden, da Heizmaterial knapp war. Trotzdem begann die SG Babelsberg mit Spielern von Eintracht und Nulldrei bereits am 13. Oktober 1946 im Rahmen der Städteliga „Rund um Berlin“ mit dem Spielbetrieb. Erster Gegner war die SG Velten, die mit einer 10:1 Niederlage die Heimreise antreten musste.

Bis 1947 wurden die gröbsten Schäden weitgehend beseitigt. Die SG Babelsberg wurde 1949 Landesmeister (7.000 Zuschauer auf dem Sportplatz an der Karl-Liebknecht-Straße gegen „Sportfreunde Cottbus“) und qualifizierte sich damit für die neu eingeführte oberste Spielklasse, die DDR-Oberliga, in der Babelsberg unter den Namen Märkische Volksstimme (seit Juli 1949) und Rotation (seit September 1950) neun Meisterschaften spielte. Die nunmehr als Karl-Liebknecht-Sportplatz bezeichnete Sportanlage wurde für den Auftritt im Fußball-Oberhaus unter großem Einsatz der Aktiven und der zahlreichen Fans auf Vordermann gebracht. Auf der Nordseite des Stadions, der heutigen Gegengerade wurde eine stattliche Holztribüne errichtet (auf dem folgenden Bild im Hintergrund).






















Die Oberligasaison 1953/54 wurde mit dem besten Ergebnis für Babelsberg abgeschlossen: Platz 5 sprang am Ende heraus.
























Das folgende Bild zeigt die Eckbebauung Grenzstraße und sollte dem Kläger gegen den Fußball im Karl-Liebknecht-Stadion eigentlich nachdrücklich zeigen, dass der Fußball vor ihm da war.





























1958 fand das letzte Oberliga-Spiel im Karli statt. Vor 5.500 Zuschauern trennte sich Babelsberg vom SC Dynamo Berlin 1:1 Unentschieden.

In der folgenden Saison scheiterte Rotation nur knapp am Wiederaufstieg: Zum vorentscheidenden Spiel kamen wie zu besten Oberliga-Zeiten 11.000 Zuschauer ins Karli und sie konnten einen 3:1 Erfolg gegen Aufbau Magdeburg (heute 1. FCM) feiern. Zwei unerwartete Niederlagen machten jedoch alle Hoffnungen zunichte.

Die sechziger und siebziger und der Neubau des Stadions

Unter schwierigen Bedingungen mit staatlichen Eingriffen in den Fußballsport gelang der Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse nicht mehr. Nachdem Babelsberg Ende der sechziger Jahre fast im Fußball-Niemandsland verschwunden war, entwickelte sich Anfang der 1970er Jahre die Initiative für ein neues Stadion am Standort Karl-Liebknecht-Sportplatz. 1974/75 wurde gebaut und 1976 offiziell eingeweiht. Das Stadion hatte nun ein Fassungsvermögen von 15.000 Zuschauern.
































So viele kamen allerdings zu dieser Zeit nur selten ins Karli. Beim Weltmeisterschaft-Qualifikations-Spiel 1977 gegen Malta wurde im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion erstmals ausverkauft gemeldet. Die DDR spielte mit der Aufstellung Jürgen Croy - Hans-Jürgen Dörner - Gerd Kische, Konrad Weise, Gerd Weber - Reinhard Häfner, Hartmut Schade, Jürgen Pommerenke (46. Joachim Streich) - Hans-Jürgen Riediger, Jürgen Sparwasser, Martin Hoffmann unter Trainer Georg Buschner und gewann mit 9:0.

In der Meisterschaft pendelte Motor Babelsberg in den 1970er Jahren zwischen der Bezirksliga und der DDR-Liga (zweithöchste Spielklasse). In der Saison 1980/81 kam es zu einem dramatischen Aufstiegsduell zwischen Chemie Premnitz und Babelsberg. Das Hinspiel in der Relegation zur DDR-Liga ging mit 2:1 verloren, doch am Pfingstsonntag 1981 kam es vor 5.000 Zuschauern im Karli zu einem dramatischen Rückspiel. Motor sicherte sich nach Verlängerung mit 4:1 den Aufstieg. In den folgenden Spielzeiten gelang es Babelsberg, sich in der DDR-Liga zu stabilisieren.

DDR-Liga in den 1980er Jahren

Dabei waren Zuschauerkulissen von über 3.000 Fans keine Seltenheit. 1981/82 kamen gegen Stahl Hennigsdorf 3.200, gegen Union Berlin sogar 9.000 Zuschauer. In der folgenden Spielzeit sahen 7.000 Zuschauer das Meisterschaftsspiel gegen Stahl Brandenburg; gegen den BFC Dynamo im FDGB-Pokal gar 12.000 Zuschauer. Zu den 11 Meisterschaftsspielen 1984/85 kamen insgesamt 41.100 Zuschauer ins Karli (4.500 gegen Fürstenwalde und Eisenhüttenstadt, 5.000 gegen Energie Cottbus, 12.000 gegen Union Berlin). Trotz guter Ansätze gelang jedoch die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus auch zu dieser Zeit nicht mehr.

Neben gut besuchten Meisterschaftsspielen fanden im Karli in der 1980er Jahren weitere internationale Vergleiche statt. So zum das WM-Qualifikations-Spiel gegen Luxemburg am 18.5.1985, welches vor 9.000 Zuschauern, mit 3:1 gewonnen wurde. Das Bild zeigt einen ähnlichen Ausschnitt wie das Bild weiter oben (Rotation), also da, wo heute der gegen den Fußball im Karli klagende Anwohner wohnt, der Mitte der 1990er Jahre nach Babelsberg zog, und der sich nun wundert, dass auch Zuschauer in ein Fußballstadion gehen.
























8.500 Zuschauer sahen das 1:0 gegen Norwegen in der Olympiaqualifikation am 12.11.1983. Das Vorspiel bestritten übrigens die Jugend-Bezirksauswahlmannschaften von Berlin und Potsdam, welches die Berliner mit 3:1 gewinnen konnten. In der Potsdamer Bezirksauswahl spielten auch zahlreiche Spieler von Motor Babelsberg wie Thomas Leek (heute Trainer der Babelsberger Reserveelf), Hardy Krüger, Lutz Vetter (erzielte das Ehrentor), Jens Teichler, Daniel Knuth, Jörn Clemens und Heiko Bengs.

Nicht zu vergessen: Im Karli fand das einzige Frauenländerspiel gegen die CSSR statt. Am 9.5.1990 verlor die DFV-Auswahl vor immerhin 800 Zuschauern mit 0:3. Trainer war unbestätigten Quellen zufolge ein gewisser Bernd "Erich" Schröder.

Der Neubeginn nach 1989

In den Wirren der politischen Wende 1989 ging der Babelsberger Fußball fast unter. Zahlreiche Spieler der ersten Mannschaft verließen den Verein nach West-Berlin. Am 10. Dezember 1991 fanden sich jedoch einige unentwegte Fußballenthusiasten zusammen, die aus der Fußball-Abteilung Motors heraus den heutigen SV Babelsberg 03 aus der Taufe hoben. Angesichts der sportlichen Talfahrt kamen zum ersten Meisterschaftsspiel gegen den Brandenburger SC Süd 05 II noch 200 Zahlende ins Karli. Das Spiel endete 6:0 für Babelsberg.
Das Stadion selbst hatte sich gegenüber seiner Entstehungszeit in den letzten 15 Jahren kaum verändert. Lediglich die ursprünglich nicht bestehende Spielfeldumzäunung war hinzugekommen.

Der Aufschwung des Babelsberger Fußballs

Ab 1995/96 begann dann ein Aufsehen erregender Aufschwung des Babelsberger Fußballs, der eng mit dem damaligen Präsidenten Detlef Kaminski verbunden war. Innerhalb von nur sechs Jahren gelang der Aufstieg in die zweite Fußballbundesliga. Damit einher gingen neue Anforderungen an die traditionsreiche Spielstätte. Bereits in den Regionalliga-Spielzeiten durfte Babelsberg wegen des fehlenden Flutlichts nur mit Ausnahmegenehmigungen spielen und spätestens mit dem Zweitliga-Aufstieg im Jahr 2001 war eine Flutlichtanlage zwingend notwendig geworden. Nach langen und zähen Bemühungen wurde die deutschland- und wahrscheinlich europaweit einmalige abklappbare Flutlichtanlage errichtet und beim Spiel gegen Waldhof Mannheim eingeweiht.



























































Die Sitzbänke auf der Haupttribüne wurden durch Einzelsitze ersetzt. Die Stadiongaststätte im Hauptgebäude wurde zum Presseraum umfunktioniert und der VIP-Raum erweitert. Die erste Mannschaft erhielt eine neue Kabine im Erdgeschoss des Stadiongebäudes.

Auch die Zuschauerzahlen gingen in der Zeit des rasanten Aufstiegs wieder steil nach oben. Zum Regionalliga- Aufstiegs-Endspiel gegen Düsseldorf wurde erstmals seit dem Malta-Länderspiel 1977 im Karli wieder ausverkauft gemeldet. Zahlreiche Spiele unter Flutlicht bescherrten seitdem Babelsberg eine ganz neue Fußballatmosphäre.






















Durch unseriöses Wirtschaften in der zweiten Bundesliga war leider auch der folgende wirtschaftliche K.O. des SVB vorprogrammiert. In einem „verzweifelten“ Rettungsakt übernahm der SVB unter Präsident Dr. Marc Schulten das Stadion auf der Basis eines Erbbaupachtvertrages von der Stadt Potsdam in Eigenregie. Der damit verbundene Kredit konnte jedoch die desolate Finanzpolitik des Vereins nicht mehr retten. Ein Insolvenzverfahren war die Folge. 2003/04 wurde ein Neuanfang in der Oberliga gestartet.

Bemühungen des SVB um das Karli seit 2003

Seit nunmehr vier Jahren bewirtschaftet der SVB das Stadion auf der Basis des Erbbaupachtvertrages. In dieser Zeit konnten unter großen Anstrengungen und mit der Hilfe von zahlreichen Sponsoren einige Investitionsmaßnahmen am Stadion realisiert werden. 2004 erhielt das Hauptstadion im Karli nach fast 30 Jahren erstmals einen neuen Rasenbelag. Die Beleuchtungsanlage sowie die Bewässerung und die Ballfangnetze des oberen Trainingsplatzes wurden erneuert.























Nichtsdestotrotz besteht ein großer Instandhaltungsrückstand insbesondere am Stadiongebäude. So ist das Dach nach 30 Jahren verschlissen, eine Erneuerung dringend notwendig. Auch die Traversen des Stadions befinden sich zum Teil in einem nicht zeitgemäßen Zustand. Der Hartplatz entspricht in keinster Weise den Anforderungen an modernes Training.
Dennoch übt das Karli auf die große Babelsberger Fangemeinde eine große Anziehungskraft aus. Um diese zu erhalten, sind in der Zukunft jedoch große Anstrengungen notwendig, bei denen Babelsberg 03 auf die Unterstützung der Mitglieder, Fans, Sponsoren und nicht zuletzt der Stadt Potsdam angewiesen ist.

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